Pionierin in Sachen Kaffee: Diese Solothurnerin importiert Spezialitätenkaffee … – az Solothurner Zeitung

Myanmar: ein Land, das man eher als Burma kennt, ein Land im Auf- und Umbruch. Nach jahrzehntelanger Militärdiktatur erlebt es 2015 wieder erste demokratischen Parlamentswahlen und verzeichnet ein im asiatischen Vergleich hohes Wirtschaftswachstum. Dennoch: Die junge Demokratie ist fragil, abgesehen davon, dass Myanmar derzeit vor allem wegen der Unterdrückung der sunnitischen Rohingya-Minderheit in den Schlagzeilen erscheint.

«Es war eine verrückte Idee, in einem Land mit politisch, militärisch und sogar klimatisch prekären Verhältnissen Fuss zu fassen», sagt die Solothurnerin Nathalie Manac’h. Genau das hat sie aber getan – und zwar mit einem Exportgut, das in Ländern des Aufbruchs – wie auch schon in Falle Kubas – oft als erstes Symbolprodukt der wirtschaftlichen Öffnung gilt: Kaffee.

Tatsächlich wurde die heute 35-jährige Manac’h als Kaffeehändlerin bereits 2015 in Winterthur darauf aufmerksam, dass Myanmar zu den 70 bis 100 Ländern zählt, in denen der Trunk produziert wird. Noch zögerlich zwar, wurde doch das Genussmittel während der Militärdiktatur kaum produziert.

Rohware rösten

Nun gelangt die Erinnerung an die Kultur der Kaffeeproduktion aus den Sechzigern langsam wieder an die Oberfläche. Nach einer Exploration im Land und einer Vorbereitungszeit von rund einem Jahr gründete Manac’h im Dezember 2016 unter Mithilfe der Londoner Kaffeehändlerin Priscilla Daniel ihre Firma «Nat Coffee». Ziel: Spezialitätenkaffee aus Myanmar als Rohware zu importieren, sowie geröstet weiter zu vertreiben.

Bereits wurde ein 17-Tonnen-Container mit diversen Kaffeesorten importiert. Einerseits wird der Rohkaffee ungeröstet weiter vertrieben, schwerpunktmässig nach Grossbritannien, Belgien und nach Osteuropa. Andererseits übernimmt eine Genfer Auftragsrösterei die Weiterverarbeitung und den Vertrieb gerösteter Bohnen – via Webshop, über Firmenanlässe oder in Cafés wie das Berner «Einstein».

Internationale Erfahrungen

Manac’h beabsichtigt, mit ihrem Sortiment auch in der Solothurner Café Bar Barock präsent zu sein. Ausserdem findet morgen Donnerstagabend eben dort ein erster Brühkurs statt. Letztlich ist Solothurn ja Firmenstandort – «und mein Hafen». Hier besuchte sie die Schulen. Es folgten ein Bachelor-Studium in Slawistik und Osteuropa-Studien in Basel sowie ein Master-Studiengang in Internationale Beziehungen in Genf.

Beim Aufbau der politisch-wirtschaftlichen Geschäftsbeziehungen half der Unternehmerin ihre Vergangenheit im diplomatischen Dienst des EDA und der Rückhalt aus ihrem Netzwerk. Zu guter Letzt stand sie dabei, als der Frachter mit ihrem ersten Kaffee-Container Richtung Europa in See stach.

«Das Potenzial ist gross»

In ein paar Wochen packt Manac’h wieder die Koffer für den Flug nach Myanmar. Der Erntebeginn ist im November. Nicht weniger als sechs Monate verbringt die junge CEO jeweils am Produktionsort im nordwestlichen von militärischen Unruhen abgeschirmten Chin State. Dort arbeitet sie mit einer Kooperative von 50 Mitgliedern zusammen, die den Rohstoff produzieren. «Dabei bin ich mehr vom kulturellen Verständnis für die Gemeinschaft getrieben als von wirtschaftlichen Interessen.»

Die Existenzsicherung sei ebenso zentral wie auch der Qualitäts- und Wachstumsanspruch. Auch ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass viel Handarbeit nötig ist, bis die sonnengetrockneten Kaffeebohnen in noch bescheidener Menge Richtung Europa verschifft werden. Doch Manac’h ist überzeugt: «Das Potenzial ist gross.»

Die USA haben den Kaffee aus Myanmar bereits 2015 entdeckt, in der Schweiz jedoch dürfte Nat Coffee der Vertriebspionier sein – und damit über ein Alleinstellungsmerkmal verfügen. Klar: Dafür muss man Frühaufsteher sein. «Mein früherer Chef sagte immer: ‹Die Schweizer sind Leute, die zwar früh wach sind, aber lange liegenbleiben.›» Nathalie Manac’h liess sich aber nicht zweimal bitten – und stand auf.

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